Frauchen

Frauchen

Da es sich nicht vermeiden lässt, das Alpha-Tier meines Rudels in irgendeiner Weise zu benennen, möchte ich, dass wir uns gleich zu Beginn auf eine Bezeichnung einigen, ohne dass es dabei zu Missverständnissen kommt. Im deutschen Sprachgebrauch wird diese Person gemeinhin als „Herrchen“ oder „Frauchen“ bezeichnet. Meine Fresse, ich mach gleich auf den Teppich! Wer, bitteschön soll das denn erst nehmen? Das menschliche Feminin verniedlicht zum „Frauchen“? Da fällt mir doch gleich Goethes Faust ein: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?“ Drauf Gretchen: „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleit nach Hause gehen.“ Peng! Das Gretchen bringt es auf den Punkt. Frauchen, das ist nicht nur allein verniedlichend, sondern auch noch frauenfeindlich und sexistisch. Frauchen!

Und Herrchen? Ach, du liebes bisschen, wer soll denn ein „Herrchen“ respektieren. Einen Herrn wohl, aber ein …chen …lein … Einen Herrn und Meister, ja! Da kommen wir der Sache näher! Nicht im Deutschen ist das Meisterwort zu suchen, sondern im englischen Idiom, wo der Master Herr des Hundes ist. Die Herrin im Übrigen auch. Dem Commonwealth mag einiges anzulasten sein, aber die permanente Vergewaltigung der männlichen Sprache hin zum Weiblichen nicht! Ich rede ich nicht von Meistern und Meisterinnen, sondern vom Binnen-I in MeisterInnen und dem Gendersternchen in Meister*in.

Lassen wir das. Bitte was? „Herrchen“ und „Frauchen“ seien nur umgangssprachlich für das, was im strammen Jagd- und Polizeideutsch, ein Hundeführer ist und eine Hundeführerin …!? Allen Ernstes? Gerade haben wir über political correctness geredet, und jetzt kommen Sie mir mit einem deutschen Führer? Hallo? Wollen wir uns endlich auf den Master einigen – als genderübergreifenden Begriff für Meisterinnen und Meister? Denn mit dem finde ich nun auch spielend den Übergang zum Lockdown in Berlin:

„Herr und Meister! hör mich rufen!-
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.“

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